Effata! – Öffne dich!

Schwestern und Brüder im Herrn!

In Tokio gehen die Weltspiele der Menschen, die ein körperliches Gebrechen haben, zu Ende. Es werden tolle Leistungen vollbracht, auch von den österreichischen Teilnehmern. Der körperliche Einsatz dieser Sportler ist enorm, obwohl es dafür keine großartigen Prämien gibt. Doch der Erfolg stärkt das Selbstbewusstsein und bei der Rückkehr von den Spielen werden diese Sportler freudig empfangen.

Es gibt aber auch andere Erkrankungen wie Blindheit, Lähmung, Taubheit, usw., die den Betroffenen so einschränken, dass er /sie keinen Sport betreiben kann. Dazu kommt noch, dass das Zusammenleben mit anderen Menschen nur erschwert möglich ist.

Es gibt zwar die Gebärdensprache, aber wer von uns beherrscht diese? Es gibt ein Gerät, das nach Zuruf des Passwortes den Fernseher ein- bzw. ausschaltet – eine große Hilfe für Gelähmte. Es gibt die Blindenschrift und der Physiker Hawkins verständigte sich über einen Sprachcomputer. Mit den technischen Hilfsmitteln ist heute sehr viel möglich, aber nicht alles!

Im Evangelium schildert der Evangelist Markus die Heilung eines Taubstummen durch Jesus. Diese Menschen wurden damals aus der Gesellschaft ausgeschlossen, weil an ihrer Erkrankung böse Taten der Eltern oder von ihm selbst schuld seien, die Gott bestraft. Jesus nahm den Kranken zur Seite, berührte Ohren und Zunge und sprach: „Effata!“ Sogleich konnte der Mann reden und hören und die Menschen staunten und sagten: „Er hat alles gut gemacht“. Damit erfüllte sich durch Jesus, was in der heutigen Lesung vom Propheten Jesaja vorhergesagt wurde. Und das ereignete sich in der Fremde an einem Heiden! Der Wille Gottes zum Heil aller Menschen ist unbändig!

Ich denke, dieses „Effata“ = „Öffne dich“ gilt auch uns persönlich, unserer christlichen Gemeinde, unserer Gesellschaft, unserer Kirche!

Die Liebe Gottes zu uns Menschen veranlasste Jesus, sich dem Taufstummen zuzuwenden. Und – er will sich auch uns zuwenden, die wir oft taub für gute Worte von Mitmenschen oder von Gott sind.

Sind wir nicht oft auch stumm, wo wir reden sollten? Verschließen wir nicht manchmal Ohren und Mund, weil wir „Ruhe“ haben wollen? Leben wir nicht oft aneinander vorbei und bemerken das Problem eines Mitmenschen nicht?

Einsamkeit durch fehlende Kontakte oder finanzielle Not schreien meist nicht, werden vielfach nicht bemerkt. Bei Besuchen in den Heimen erlebe ich oft die Freude der Bewohner, weil jemand kommt und mit ihnen redet. Von der finanziellen Not mancher Mitmenschen erfährt man in der Pfarrkanzlei und bei der Caritas. Der Hilferuf der Caritas hat in unserer Pfarre bei der Haussammlung heuer das sehr gute Ergebnis von etwa € 19.500,– gebracht. Der Dank gilt allen, die gespendet haben und auch allen Sammlerinnen und Sammlern. Verschweigen wir diese Hilfe nicht, wenn es auch andere Meinungen dazu gibt!

Gehilfen, Gebärdensprache, Blindenschrift, technische Hilfsmittel und Geld lindern manches, sind aber nicht alles! Oft sind wir als Mitmenschen gefragt! Wir dürfen uns als „Erfüllungsgehilfen“ Gottes angesprochen fühlen, indem wir auf ihn hören und seine Weisung befolgen. Dann „macht der alles gut“.

Josef Bernögger
Diakon